BUSCH - BOSSA NOVA (apricot records)
Is The Queen Dead? - Seit über zwei Jahren warte ich nun schon mit den
allerhöchsten Erwartungen auf dieses Album, nachdem 1999 bereits die
Demoversionen dreier Songs als Preview auf einer Fansite zu hören waren.
Meine Befürchtung war allerdings, dass durch Frontmann Kreuder's
perfektionistische Produktion der spröde Gitarrenpop-Charme durch zu
verspielte und dichte Arrangements verwässert würde, was mein
Hauptkritikpunkt am Vorgängeralbum 'Entsetzlich' und der Debüt-EP war
(wer die beiden Versionen von 'Müde' kennt, weiß, was ich meine).
Zum Glück waren die Bedenken unbegründet, das Warten hat sich gelohnt,
herausgekommen ist ein Album, das jeden sensibilisierten Hörer zunächst
durch seine pure Ästhetik erschlägt. Hier haben Kreuder und seine
Mitstreiter ihr Meisterstück abgeliefert, sie haben ihr Äquivalent zu
'The Queen Is Dead' geschaffen mit einem elegischen 'Seitdem ich weiß,
wie Mozart starb' als Pendant zu 'There is a Light ...' im Zentrum.
Musikalisch und textlich kann man hier, eher noch als bei Gene und
Konsorten, die Smiths als direkte Referenz anführen. Das zeigt sich vor
allem in den Details: Sei es durch den berühmten Fading-Effekt aus
'Some Girls Are Bigger Than Others' (in 'Seitdem ich weiß ...'), den
'Ann-Coates'-Effekt als zweite Stimme wie in 'Bigmouth Strikes Again'
(in 'Unerwartet'), selbst das abschliessende Instrumental 'Ein Schluck
Wasser' erinnert mich frappierend an 'Oscillate Wildly'. Seit dem
Original bei Johnny Marr habe ich den typischen Jangly-Guitar-Sound
nicht mehr in solch brillianter Perfektion gehört.
Hinzugekommen
sind gegenüber 'Entsetzlich' der massive Einsatz von Streichern und
einige Gitarrenparts, die sehr an die frühen Suede/Auteurs erinnern,
durch ihre Sperrigkeit aber einen wunderbaren Kontrapunkt zum sonstigen
Harmoniegefüge setzen. Daß sich der Morrissey'sche Wortwitz, der
konsequent-manische Fatalismus und die morbide Romantik wunderbar in
deutschsprachige Texte frei von billigem Kitsch übertragen läßt, stellt
Kreuder wieder einmal mehr als eindrucksvoll unter Beweis. Als Beispiel
aus diesem reichhaltigen Fundus sei hier nur das Zitat aus meiner
Forums-Signatur erwähnt: 'Eine handgeschriebene Nachricht: / Hey, ich
sag es, aber dir nicht. / Dass du fehlst, wenn du da bist, / wenn du
gehst, wenn du kommst. / und das Ende von all dem bleibt fraglich. /
Alles wegen dir aber nichts für dich.'
Wenn ihr, wie ich, all die
Jahre auf das perfekte deutschsprachige Gitarrenpop-Album von
vollendeter Schönheit und gleichzeitig einzigartigem Tiefgang gewartet
habt: hier ist es, greift zu.
Kurze Hörproben zu allen Songs des Albums gibt es unter www.buschhq.de.
(OurFrank)


