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Rolling Stone / Ausgabe 05'2002
Ausgabe 05'2002

Einige seiner schönsten Stücke versteckte der in unserer Vorstellung allein lebende Romantiker und Bildungsbürger Kreuder vor sieben Jahren auf einer mehr schlecht als recht, aber mit viel Liebe aufgenommenen EP. Aus seiner Klause erzählte der Jüngling vom Totschlag an der schönen deutschen Sprache, von enttäuchten Eltern und Verwandten und davon, wie er in einem Franziskanerkloster seine Memoiren schreibt. Schon damals warnte er, dass Jahre vergehen könnten, ehe man wieder etwas von ihm höre. Kurz darauf das Album "Entsetzlich.

Fürderhin blieb Kreuder tatsächlich stumm. Vergessen haben wir ihn nicht, gerechnet haben wir mit ihm allerdings auch nicht mehr. Und wirklich: Nun nimmt der gute Kreuder mit Band all die liebgewonnenen Fäden von "Entsetzlich" wieder auf, beziehungsweise, wie der Rockjournalist sagen würde: "Bossa Nova" fängt dort an, wo "Entsetzlich" aufhörte. Nämlich mit angenehm quengelnden Johnny-Marr-Gitarren, [...] "Nicht mit uns, Marleen" statt "William, It Was Really Nothing" und selbstverständlich schwelgerischem Gestus. "Nichts auf der Welt kann dir sagen, was dir fehlt/Und dies ist nicht der Ort, um zu fragen." Oder: "Ich kann mir vieles vorstellen, aber nicht, dass du bleibst."

"Seitdem ich weiss, wie Mozart starb" und "Schwarm und Schwerkraft" heißt der luftige Gitarren-Pop zuweilen und liegt fernab jeder Selbstinszenierung. Es ist - das kennen wir ja - gewissermaßen alles ein Song. Und doch hat sich der Dichter auch mit "Bossa Nova" auf ein offensichtlich hilfloses Unterfangen eingelassen: Die an deutschem Pop interessierte Jugend liest in der Regel weder Rimbaud noch Kierkegaard und die Romantiker schon gar nicht. Womöglich hört sie sogar Sportfreunde Stiller.

JAN WIGGER

Rolling Stone



Kritik zum Album "Bossa Nova"