Stereoplay 05'02
CD des Monats - Pop
(Seite 136)
Das Ende der Jugend, der Beginn des Erwachsenseins: Wann hört das eine auf, wann fängt das andere an? Und lässt sich diese Grenze zwischen Adoleszenz und (vermeintlicher) Reife überhaupt ignorieren oder überspringen? Kann man als junger Mensch sich erwachsen benehmen, ohne manieriert-altklug zu wirken, oder als Erwachsener "jung" denken und fühlen, ohne als Berufsjugendlicher zu stranden? Für die Popkultur in ihren Disziplinen von Literatur über Film bis zur Musik sind derlei Themen Privileg und Pflicht zugleich, denn wer sonst ist eigentlich noch zuständig in diesem Leben für leise Selbstreflexionen jenseits von Arbeit, Geld und Wäschewaschen? Schlimmstenfalls endet derlei Tun, skrupellos kommerzialisiert und damit banalisiert, in den tagtäglichen Vorabendserien - in glücklicheren Momenten jedoch entstehen daraus Platten wie diese. Schon 1996 lobten "Spiegel" und "Rolling Stone" das Quartet Busch für sein Debüt "Entsetzlich" [...]. "Bossa Nova" nun ist ein weiteres Stück fabelhafter Popmusik in dieser Tradition: schulstundenlang voll perlender Gitarrenarrangements, fein rythmisierter Sprache, famosen Songs und Melodien (ganz gross: "Ausser Atem, ausser dir") - und mit Texten, die vom Tasten, vom Suchen und vom Schweben zwischen Welten und Gefühlen erzählen. Ein Album, das beim Erwachsenwerden ebenso hilft wie beim Jungbleiben.
Musik: 8-9 ,Klang: 7, Repertoirewert: 8
Christof Hammer


